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Erwerbsminderungsrente und Berufsunfähigkeitsrente - Teil 25 – Bezug von Krankengeld


Herausgeber / Autor(-en):
Anna Martyna Werchracki
wissenschaftliche Mitarbeiterin


6.2.2 Bezug von Krankengeld

Der Erwerbsgeminderte hat die Möglichkeit im laufenden Verfahren zur EM-Rente Krankengeld von der Krankenkasse zu erhalten. Voraussetzung ist, dass der Erwerbsgeminderte arbeitsunfähig ist und noch keine EM-Rente erhält. Das Krankengeld ist zudem auf eine Höchstlaufzeit von 78 Wochen begrenzt.
Ein Versicherter gilt dann als arbeitsunfähig, wenn

  • er Arbeitnehmer ist
  • seine zuletzt ausgeübte Tätigkeit aufgrund einer Krankheit nicht mehr ausüben kann
  • ODER durch die Arbeit die Gefahr der Verschlimmerung der Krankheit besteht
  • ihm keine Verweisungstätigkeit zugemutet werden kann. Als Verweisungstätigkeit ist dabei für ungelernte jede Tätigkeit denkbar, die dem bisherigen Beruf nach Art und Entgelt entspricht. Bei erlernten Berufen darf die Krankenkasse nur auf Tätigkeiten innerhalb des gelernten Berufsfeldes verweisen.

Beim Thema Krankengeld gilt es jedoch Einiges zu beachten. Wenn ein Versicherter Krankengeld beansprucht und einen Antrag auf EM-Rente stellt, sollte er die Krankenkasse darüber in Kenntnis setzen. Nur so kann er einer möglichen Aufforderung eine Rehabilitation zu beantragen entgehen. Fordert die Krankenkasse den Versicherten nämlich zu einer Antragstellung auf, muss dieser der Aufforderung binnen von zehn Wochen Folge leisten     (§ 51 SGB V). Stellt der Versicherte keinen Antrag, so gefährdet er die weitere Krankengeldzahlung. Keine Befugnisse hat die Krankenkasse hingegen dazu, vom Versicherten die Beantragung einer EM-Rente zu fordern.

Erhält der Versicherte Krankengeld und wird ihm eine EM-Rente genehmigt, so stellt die Krankenkasse alle Zahlungen mit dem Tag ein, an dem sie Kenntnis von der Bewilligung der Rente erhält. Der Rentner kann jedoch davon ausgehen, dass die Rentenversicherung die Krankenversicherung über die Rente informiert. Trotzdem muss der Rentner der Krankenkasse seinen Rentenbescheid unverzüglich vorlegen, sonst drohen Rückzahlungen. Da die EM-Rente dem Krankengeld vorgeht, hat die Krankenkasse bei Bewilligung der Rente eventuelle Ersatzansprüche an die Rentenversicherung. Diese werden mit der Summe der Rentennachzahlung des Rentners verrechnet.

      Beispiel
K ist seit dem 01.01.2009 arbeitsunfähig und erhält 1450 Euro Krankengeld pro Monat. Da K jedoch der Meinung ist, gleichzeitig auch erwerbsunfähig zu sein, beantragt er die volle EM-Rente. Am 01.05.2009 erhält K seinen Rentenbescheid. Die volle EM-Rente wurde ihm rückwirkend ab dem 01.02.2009 gewährt. Da K eine EM-Rente in Höhe von 1150 Euro erhält, ergibt sich für die Monate Februar bis April eine Nachzahlung von 3450 Euro. Da K in dieser Periode jedoch gleichzeitig Krankengeld bezogen hat, müssen die beiden Zahlungen miteinander verrechnet werden. Rente und Krankengeld können nicht parallel für denselben Zeitraum gezahlt werden. Die Rentenversicherung wird deshalb die Nachzahlung nicht an K, sondern direkt an die Krankenkasse überweisen. Die Differenz zwischen Krankengeld und Rente darf K für den Zeitraum Februar bis April jedoch behalten.

 

Dieser Beitrag ist entnommen aus dem Buch "Renten wegen Erwerbsminderung und Berufsunfähigkeit" von Olaf Bühler, Rechtsanwalt und Anna Martyna Werchracki, Wirtschaftsjuristin LL.B., 1. Auflage 2014, erschienen 2014 im Verlag Mittelstand und Recht, www.vmur.de, ISBN 978-3-939384-31-1.


 

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Herausgeber / Autor(-en):
Anna Martyna Werchracki
wissenschaftliche Mitarbeiterin


Kontakt: kontakt@fasp.de
Stand: September 2014


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